18.08.2021 Martin Hülle

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Martin Hülle

Hej, mein Name ist Martin Hülle und ich bin ein Fotograf und Autor aus Wuppertal.

Mein Herz schlägt vor allem für die abgeschiedenen Regionen des hohen Nordens. Seit über 25 Jahren durchstreife ich Berglandschaften und Gletscherwelten im Sommer wie im Winter. Ob zu Fuß oder auf Skiern habe ich auf unzähligen Touren bereits tausende Kilometer in diesen atemberaubenden Gegenden zurückgelegt. Das Nordlandfieber und der Arktis-Bazillus sind alte Bekannte, die ich sicherlich nie mehr loswerde.

Den 800 km langen Nordkalottleden wanderte ich komplett an einem Stück. Wochenlange Wintertouren führten mich allein durch die einsamsten Gebiete Nordeuropas. Mehrfach lief ich über den Jostedalsbreen in Norwegen und den Vatnajökull auf Island. Zwei Überquerungen des grönländischen Inlandeises von Ost nach West – die Grönland Transversale 2006 und die Expedition EISWÜSTE 2008 – waren Meilensteine in meinem Leben als „Polarabenteurer“.

Im Frühjahr 2012 rissen mich zwei Krampfanfälle aus heiterem Himmel zu Boden, die Diagnose Epilepsie wurde gestellt und mein Wandererleben geriet aus den Fugen. In den Tagen im Krankenhaus und den Wochen danach, die es brauchte, um wieder so richtig auf die Beine zu kommen, ließ ich mich allerdings nicht unterkriegen und fasste den Entschluss zu dem Foto- und Reiseprojekt Mein Norden. Erneut alles noch einmal zu träumen und aufzubrechen zu den wundervollen Orten, die mir von früher so viel bedeuteten – aber gleichzeitig auch Neuland aufzuspüren, in dem ich zuvor noch nie war, jedoch schon immer einmal hinwollte.

Es folgten elf Reisen in den Norden. Vier Jahre Aufbruch. Zu allen Jahreszeiten hinein ins Abenteuer. Allein, mit Freunden und der Familie. Wanderungen und Skitouren dokumentiert in Bildern und Texten, die Emotionen transportieren und von Erlebnissen erzählen. Eine Liebeserklärung an raue Landschaften, karge Regionen und eine intensive Art des Unterwegsseins.

Die Fotografie und das Schreiben sind für mich eine Lebensart – eine Möglichkeit, Gefühle einzufangen, auszudrücken und mit anderen zu teilen. Kamera und Notizblock sind meine ständigen Begleiter auf der Suche nach spannenden Geschichten, Reportagen und Dokumentationen.

  • Martin Hülle (geboren 1973) ist spezialisiert auf die Landschafts-, Reise- und Outdoorfotografie. Sein Herz schlägt vor allem für die abgeschiedenen Regionen des hohen Nordens, in denen er seit 30 Jahren Berglandschaften und Gletscherwelten im Sommer wie im Winter durchstreift. Ob zu Fuß oder mit Ski hat Martin auf unzähligen Touren bereits tausende Kilometer in diesen atemberaubenden Gegenden zurückgelegt. Das Nordlandfieber und der Arktis-Bazillus sind alte Bekannte, die er sicherlich nie mehr loswird. Schon zu Schulzeiten waren Kamera und Notizblock seine ständigen Begleiter auf der Suche nach spannenden Geschichten, Reportagen und Dokumentationen. Martin ist einer der ganz wenigen, der seine Liebe zur nordischen Wildnis gleichermaßen in Worte wie in Bilder fassen kann. Sein Stil ist zurückhaltend, intim und melancholisch. Monumentale Landschaften stehen im Vordergrund der Fotografien, in denen der Mensch oft nur als kleines Beiwerk auftaucht. Martin ist Autor der Fotobücher „Mein Norden“, einer Liebeserklärung an raue Landschaften, karge Regionen und eine intensive Art des Unterwegsseins, und „Another Time, Another Place“, über die Unwägbarkeiten des Lebens und das Glück, immer wieder aufbrechen zu können. Die Fotografie und das Schreiben sind für ihn eine Lebensart – eine Möglichkeit, Gefühle einzufangen, auszudrücken und mit anderen zu teilen. Martin lebt und arbeitet in Wuppertal.


  • X-Pro1 | F11 | 1/150 Sek. | ISO 200 | 35,80mm

  • X-Pro2 | F8 | 1/220 Sek. | ISO 200 | 23mm
    X-T2 | F4 | 1/1000 Sek. | ISO 200 | 56mm
  • Wie würdest du deinen fotografischen Stil beschreiben?

    Mit meiner Art der Fotografie möchte ich, den Charakter der Landschaften einfangen. Reduziert auf ihre Essenz. Dabei mache ich mich auf die Suche nach Stimmungen. Denen in der Landschaft und denen in mir. Denn beides ist untrennbar miteinander verknüpft. Meine Bilder zeigen, wie ich die Natur sehe, wie ich sie wahrnehme und erlebe. Die Bilder sind somit gleichzeitig ein Spiegel – ich offenbare damit einen Blick in mein Inneres.

    Ich habe für meinen Stil den Begriff der „Landschaftsreportage“ gefunden, der meine Arbeit am besten umschreibt. Da meine Bilder vielfach bei Wanderungen und Skitouren entstehen, die mich über viele Tage von A nach B führen, kann ich z. B. an den meisten Stellen nicht lange auf das beste Licht warten. Aber das ist auch gar nicht mein Ziel. Ich bin nicht auf das „ultimative“ Foto, das eine Szenerie „ideal“ darstellt, aus. Im Unterschied zu manch anderen Landschaftsfotografinnen und -fotografen möchte ich die Natur nicht in „Bestform“ präsentieren, sondern in meinen Bildern die Emotionen wiedergeben, die ich während meiner Reisen erlebt habe. Ich mag es gerne etwas schmuddelig, authentisch und ganz nah am Leben in der Wildnis.

    Was waren bislang deine größten fotografischen Herausforderungen und warum?

    Im Frühjahr 2012 rissen mich zwei Krampfanfälle aus heiterem Himmel zu Boden, die Diagnose Epilepsie wurde gestellt und mein Leben geriet aus den Fugen. In den Tagen im Krankenhaus und den Wochen danach, die es brauchte, um wieder so richtig auf die Beine zu kommen, ließ ich mich allerdings nicht unterkriegen und fasste den Entschluss zu dem Langzeitprojekt „Mein Norden“. Die Krankheit war dann zum Glück nicht die eigentliche Herausforderung. Viel schwieriger war es, all meine Emotionen, die während 13 Reisen über mehrere Jahre entstanden sind, zu bündeln, auf den Punkt zu bringen und das Ganze in einem Fotobuch zusammenzufassen.

    Ebenso anspruchsvoll gestaltete sich mein Folgeprojekt „Another Time, Another Place“, für das ich erneut über mehrere Jahre diverse Reisen unternahm. Ich machte mich auf, Impressionen und Gedanken zwischen Sehnsucht und Wirklichkeit einzufangen. Intime Momente voller Liebe und Melancholie. Auch darüber habe ich ein Buch im Eigenverlag veröffentlicht und das Buchmachen erneut als weiteres Abenteuer begriffen.

    Fotobücher sind für mich eine Königsdisziplin des fotografischen Ausdrucks. Aus unzähligen Bildern und Erlebnissen stimmige, unterhaltsame und spannende Geschichten zwischen zwei Buchdeckel zu bringen, ist gleichwohl eine sehr herausfordernde wie äußerst bereichernde Arbeit, bei der man sehr viel über seine eigene Fotografie lernt.

  • Welche Kamera-Objektiv-Kombination für welche Situation – was sind deine Favoriten?

    Während meines Fotoprojekts „Mein Norden“ hatte ich noch mit vielen verschiedenen spiegellosen Systemkameras von FUJIFILM fotografiert und Objektive mit Brennweiten zwischen 10- und 200-Millimetern eingesetzt. Da ich die Ausrüstung auf meinen Reisen häufig weite Strecken tragen und ohnehin bei Trekkingtouren viel Equipment schleppen muss, habe ich mir die Not zur Tugend gemacht und konzentriere mich mittlerweile auf das Wesentliche. Für die Arbeit an „Another Time, Another Place“ entschied ich mich deshalb dazu, immer nur mit wenigen Festbrennweiten loszuziehen. Erfahrungsgemäß werden durch ein breit aufgestelltes und entsprechend schweres Equipment die Resultate ohnehin nicht automatisch besser. Dahingegen führt die Nutzung von (wenigen) Festbrennweiten zu einer bewussteren und intensiveren Fotografie. Sich auf eine kleine Zahl an Objektiven oder gar Brennweiten zu beschränken, schlägt sich zudem im Bildstil nieder. Nachweislich wird dieser nicht nur geprägt durch Aspekte wie Motivwahl, Ausschnitt, Lichtsetzung, Bildbearbeitung und den Auslösemoment, sondern darüber hinaus auch in großem Maße durch die eingesetzten Brennweiten. Hier habe ich aktuell verschiedene Setups, die ich je nach Unternehmung einsetze, wobei ich immer versuche, maximal drei Objektive mitzunehmen.
    Muss ich die Ausrüstung auf Fotoreisen nicht allzu weit transportieren, greife ich gerne zu den lichtstarken und optisch herausragenden FUJINON-Objektiven XF16mmF1.4 R WR, XF23mmF1.4 R und XF56mmF1.2 R.
    Unternehme ich hingegen lange Wandertouren, sind die kleinen und leichten XF16mmF2.8 R WR, XF23mmF2 R WR und XF50mmF2 R WR vielfach meine erste Wahl. Aber auch das XF35mmF2 R WR oder das super kleine XF27mmF2.8 R WR mag ich sehr gerne.

    Bei den Kameras habe ich über die letzten Jahre fast ausschließlich mit der spiegellosen Kamera FUJIFILM X-Pro2 fotografiert, genauer gesagt mit zwei FUJIFILM X-Pro2 – eine bestückt mit einem leichten Weitwinkel-Objektiv und die andere mit einem leichten Tele-Objektiv. Für ein neues Fotoprojekt bin ich mittlerweile aber zur FUJIFILM X-E4 gewechselt – und auch hier arbeite ich wieder mit zwei Bodys, da mir die parallele Arbeit mit zwei Kameragehäusen lästige Objektivwechsel erspart. Die X-E4 ist fantastisch kompakt und leicht, was mir jetzt sehr entgegenkommt, denn für Videoaufnahmen nehme ich noch die Systemkamera FUJIFILM X-S10 mit dem Zoom-Objektiv XF18-55mmF2.8-4 R LM OIS mit.


  • X-Pro2 | F5.6 | 1/125 Sek. | ISO 200 | 16mm
    X-Pro2 | F5.6 | 1/850 Sek. | ISO 200 | 50mm
    X-Pro2 | F5.6 | 1/10500 Sek. | ISO 200 | 56mm

  • X-Pro2 | F5.6 | 1/1700 Sek. | ISO 200 | 50mm

  • X-Pro2 | F5.6 | 1/250 Sek. | ISO 200 | 23mm

  • X-Pro2 | F8 | 1/180 Sek. | ISO 200 | 23mm

  • X-Pro2 | F8 | 1/1400 Sek. | ISO 200 | 23mm
    X-Pro2 | F11 | 1/210 Sek. | ISO 200 | 23mm
    X-Pro2 | F5.6 | 1/500 Sek. | ISO 200 | 23mm
  • Wie stehst du zum Thema Bildbearbeitung – hast du persönliche Vorlieben oder Tipps?

    Um den Reportage-Charakter meiner Bilder zu unterstreichen, bin ich in der Bildbearbeitung darauf aus, meinen digitalen Fotos filmischen Charme zu verleihen, der gerne auch etwas körniger daherkommt. Dafür verwende ich verschiedene Presets als Ausgangsbasis, die im Bildbearbeitungsprogramm direkt auf die RAW-Dateien angewendet werden.

    Im ersten Schritt wähle ich nach jeder Reise einen „Film“ aus, den ich dann für alle Aufnahmen der betreffenden Unternehmung verwende. Hier rufe ich mir die Gegebenheiten und Empfindungen vor Ort in Erinnerung und entscheide mich dafür, was am besten passt.

    Die unterwegs gemachten „Ausgangsfotos“ sind demnach nur die Rohmasse. Erst nachträglich versuche ich, einen Stil zu finden, der dem Erlebten und den Eindrücken nahekommt. Dieser Look muss die Realität auf keinen Fall eins zu eins wiedergeben, sondern er darf davon abweichen. Von Reise zu Reise kann der Stil leicht unterschiedlich sein. Ein übergreifender Wiedererkennungswert muss dabei aber gewahrt werden und ist vor allem bei Langzeitprojekten wichtig.

    Was würdest du als Experte einem Fotografie-Neueinsteiger raten?

    Für den absoluten Neueinsteiger ist es sicherlich erstmal wichtig, sich mit den vielfältigen Möglichkeiten der Technik und der Fotografie an sich vertraut zu machen und vieles auszuprobieren. Fortgeschrittenen würde ich dann allerdings dazu raten, sich ein Langzeitprojekt vorzunehmen, bei dem man aber ein Ziel klar formuliert. Über eine lange Zeit ein Thema zu verfolgen, sich damit zu beschäftigen und zu versuchen, es fotografisch umzusetzen, kann viel verändern. Es hilft, den fotografischen Blick weiterzuentwickeln, schneller auf den Punkt zu kommen und das zu zeigen, was wichtig ist. Sich ein Fotoprojekt vorzunehmen und es beharrlich zu verfolgen, kann mehr bringen als eine neue Kamera.

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