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Rückblick auf unseren #xHibition Fotocontest – Gewinnerin Sara Jovanovic im Gespräch

Am 07. August riefen wir gemeinsam mit Juror und X-Photographer Stefan Finger zur Teilnahme an der zweiten Runde unseres #xHibition Fotocontest auf. Das Thema dieses Mal: Identität! Zur Teilnahme am Wettbewerb hatten interessierte Fotografen bis zum 21. August die Gelegenheit, uns ihr Bildmaterial zum Thema zuzuschicken. Die vielfältigen Interpretationsansätze, die kreativen fotografischen Lösungen und die persönlichen Geschichten, die sich teilweise hinter den Bildern verstecken, haben uns begeistert! Die Entscheidung fiel den Juroren am Ende dementsprechend schwer. Wir möchten uns an dieser Stelle bei allen Teilnehmern herzlichst bedanken – die nächste Runde folgt bestimmt!
Die Gewinnerin wollen wir euch natürlich nicht vorenthalten: Die 26-jährige Sara Jovanovic aus Herne konnte den ersten Platz belegen! Neben der Fotografie hat sie sich bis vor kurzem noch ihrem Kommunikationsdesign-Studium gewidmet. Ihre Abschlussarbeit hat sie im Fach Fotografie abgeschlossen. Das Gewinnerbild ist Teil dieser Arbeit, die sie zurück zu ihren kroatischen Wurzeln und den damit einhergehenden kulturellen und geschichtlichen Besonderheiten geführt hat.
Im Gespräch verrät sie uns die Geschichte, die sich hinter ihrem Gewinnerbild versteckt:

„Das natürliche Licht erhellte für den Betrachter für einen Moment das Leben der Frau“

„Das Gewinnerfoto war Teil einer Fotoreihe, die ich in Bosnien-Herzegowina aufgenommen habe. Ich habe mich auf die Spuren des Balkankrieges begeben und fünf Wochen lang in dem fast vergessenen Land, in dem von 1992 bis 1995 Krieg herrschte, fotografiert. Hierbei waren die Bewohner des Landes natürlich besonders wichtig, da sie das Herz des Landes bilden. Das Foto der 104-Jährigen habe ich aufgenommen als mich ein Verwandter durch den alten Teil des Dorfes, aus dem mein Vater stammt, geführt hat. Er wollte mir die Dorfälteste vorstellen und dort mal nach dem Rechten schauen. So verbrachten wir einen kurzen Moment bei ihr und tranken „Rakija“, einen traditionellen Schnaps. Ich fing spontan den Moment ein, in dem die Dame melancholisch nach draußen schaute. Es war mir eine Ehre, diese alte Frau kennenlernen zu dürfen.“

Was bedeutet Identität?

„Identität bedeutet für mich auch Treue. Die portraitierte Frau lebt schon ihr Leben lang in demselben Dorf. Das Sprichwort: „Einen alten Baum verpflanzt man nicht!“ trifft hier genau zu. Trotz des Leids und der Gefahr ist die Frau auch während des Bosnien- bzw. Jugoslawienkrieges nicht geflohen und ihrem Dorf treu geblieben. Ihr Lebensraum, der durch nationale und religiöse Konflikte seit dem ersten Weltkrieg immer wieder ins Wanken gerät, macht einen großen Teil ihrer Identität aus.“

Die wiederkehrende Liebe zur Fotografie

„Ich habe schon immer gerne fotografiert und Dinge festgehalten, denen sonst wenig Beachtung geschenkt wird. Ich war ein verträumtes Kind und habe immer gerne lange in den Himmel, in die Bäume, auf den Boden oder in die Ferne geschaut und Details fokussiert. Zu meinem 16. Geburtstag bekam ich meine erste DSLR-Kamera. In einem VHS-Kurs lernte ich dann die ersten Basics der Fotografie kennen und knipste ein bisschen herum. Nach meinem Abitur verbrachte ich Zeit im Ausland und fotografierte in Indien und Südafrika mit großer Freude das Land und die Menschen. Dort lernte ich, wie es ist, Fremde zu fotografieren. Doch als kurze Zeit später bei meiner Familie eingebrochen wurde und Festplatten sowie ein Teil meiner Kameraausrüstung geklaut wurden, verging mir der Spaß an der Fotografie. Zu groß war der Schmerz, dass fast all meine Fotos und meine Objektive, auf die ich lange gespart hatte, auf einen Schlag weg waren. Im Kommunikationsdesign-Studium, zu dem auch zwei Semester Fotografie gehörten, habe ich die Liebe zu meinem alten Hobby wiederentdeckt und sogar meine Abschlussarbeit im Fach Fotografie absolviert.“

Saras ideale Ausrüstung

„Früher fotografierte ich mit einer Spiegelreflexkamera, doch dann hat mich die FUJIFILM X-T3 begeistert. Die Kamera ist nicht nur handlicher und leichter, als meine alte Kamera, sondern sie lässt sich auch viel besser in meine Fotografie integrieren. Sie fällt kaum auf und ist dank des geringen Gewichts komfortabler. Außerdem lasse ich die Kamera viel seltener zuhause, da ich dank ihrer kompakten Bauweise nicht auf sperrige Outdoorrucksäcke angewiesen bin. Für ausdrucksstarke Porträts mag ich besonders das FUJINON XF35mmF1.4 R. Das FUJINON XF23mmF1.4 R eignet sich super für Straßenfotografie, da es dem Blickwinkel des menschlichen Auges ähnelt und die Fotos dadurch authentischer werden. Das Gewinnerbild habe ich mit der FUJIFILM X-T3 und dem XF35mmF1.4 R aufgenommen.“

Wo geht die Reise hin?

„Ich wünsche mir, dass ich in Zukunft im Umgang mit meinen Fotos selbstsicherer und weniger selbstkritisch werde. Des Weiteren würde ich gerne noch viel über Fotografie und den Einsatz von Licht und Hilfsequipment lernen und an meiner Technik arbeiten. Immerhin will ich mich stetig verbessern. Fotografie ist bislang nur ein Hobby von mir. Ich bin dieses Semester erst mit meinem Design-Studium fertig geworden. Gerade bin ich zufrieden mit meinem Job als Grafikdesignerin, aber mal sehen wo mich mein Weg noch hinführt. Für meine in Bosnien-Herzegowina entstandenen Fotos, wünsche ich mir, dass sie dem Land, dessen Probleme fast in Vergessenheit geraten sind, zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen.“

Erkenntnisse aus Saras fotografischem Alltag

„Ich selbst bin kein Profi, aber habe für mich selbst schon Erkenntnisse und Erfahrungen gesammelt, die ich gerne weitergeben möchte: Seid mutig und traut euch, fremde Menschen anzusprechen. Wer selbst Freundlichkeit ausstrahlt, bekommt diese Freundlichkeit meistens auch zurück. Im Ausland ist Respekt gegenüber anderen Kulturen besonders wichtig und sollte auf jeden Fall auch gezeigt werden. Daher kann ich empfehlen, sich gut vor einer Reise zu informieren und auf jeden Fall ein paar Wörter in der Landessprache zu üben. Denn wenn man ehrliches Interesse an der anderen Kultur und an den Menschen zeigt, kann das viele Türen öffnen und am Ende zu super Fotomotiven führen. Wer sich fotografieren lässt, macht sich immer auch verletzbar, weshalb Vertrauen sehr wichtig ist. Des Weiteren ist es wichtig, dass man sich Zeit für die Fotos nimmt. Es gilt lieber zu viele Fotos zu machen, als zu wenige. Bilder löschen kann man danach immer noch. Außerdem sollte man nicht zu viel über Technik und die perfekten Einstellungen nachdenken. Mir persönlich ist viel wichtiger, den Moment einzufangen als das perfekte Foto zu schießen. Ich selber fotografiere immer in RAW, weil sich bei diesem Format auch im Nachhinein noch einiges korrigieren lässt. Ganz praktisch gesprochen kann ich nur jedem raten, sich einen wirklich guten Kameragurt oder eine praktische Tasche zuzulegen, damit die Kamera nicht zur Last wird, sondern zum Begleiter. Ein Dozent hat mal zu mir gesagt: „Die beste Kamera ist die, die man dabei hat“. Und meine letzte, aber wohl am schmerzlichsten erkaufte Erfahrung: Sichert eure Daten immer gut. Wirklich, immer.“

Vielen Dank, Tschüss und schöne Grüße
Veliko hvala, zdravo i ljep pozdrav,

Sara Jovanovic

Mehr Infos und fotografische Arbeiten von Sara Jovanovic:
Instagram | Behance