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10.06.2020 Stefan Finger

Kinderfotografie II: Es kommt alles anders….

Stefan Finger

Stefan Finger ist freier Fotojournalist und arbeitet unter anderem für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, chrismon und den stern. Für die Abschlussarbeit seines Masterstudiums in Düsseldorf (Politische Kommunikation) forschte er zu der Wirkung von Fotografie. Er studierte anschließend Fotojournalismus an der Hochschule Hannover. Für seine Fotoreportagen wurde er unter anderem mit dem Preis „UNICEF Foto des Jahres 2014“ ausgezeichnet, war 2013 als CNN Journalist of the Year und sowohl 2014 als auch 2016 für den Medienpreis der Kindernothilfe nominiert. 2010 gründete er die Agentur für Hochzeitsfotografie „Hochzeit im Blick“. Seit 2016 hat er einen Lehrauftrag am Institute of Design in Düsseldorf. Er wird von der Agentur laif vertreten und lebt und arbeitet in Hannover und Willich. Seit 2016 ist er offizieller Fujifilm X-Photographer.

  • Im zweiten Beitrag zum Thema Kinderfotografie erklären euch unsere beiden X-Photographer Insa Hagemann und Stefan Finger, wie ihr mit einfachen Mitteln ein inszeniertes Shooting umsetzen könnt und worauf die beiden Fotojournalisten bei der Planung eines Shootings besonders achten.
    Im ersten Teil haben wir es bereits angedeutet: Wir lieben es, unsere Kinder und ihr Leben ungestellt für uns und die Ewigkeit festzuhalten. Aber ab und zu planen und inszenieren wir auch ein Shooting unserer beiden Liebsten. Zu jedem inszenierten Bild gehören natürlich ein passender Ort, ein passender Rahmen, ein passender Inhalt und ein passender Hintergrund. Hierzu zeigen wir euch drei Beispiele: unser Jahresbild, ein Weihnachtsshooting und ein Shooting zwischendurch, das wir für diesen Beitrag geplant haben.



  • FUJIFILM X-T2 | F9 | 1/125 Sek. | ISO 200 | 23mm
  • Das Jahresshooting

    Jedes Jahr fotografieren wir unsere beiden Kleinen in einem ähnlichen Setting. Und das werden wir ganz bestimmt auch die nächsten 30 Jahre noch machen. Dabei geht es um einen möglichst ähnlichen Lichtaufbau, eine ähnliche Kameraperspektive und einen gleichen Hintergrund. Der Blick soll auf die Veränderungen bei den Kindern gelenkt werden und nicht auf aufregende Blickwinkel, oder grafische Elemente. Wir wollten die Bilder aber auch nicht komplett identisch gestalten, wie in einer klassischen dokumentarischen Serie, sondern uns jedes Jahr einen gewissen Gestaltungsspielraum lassen, der zu den Kindern in der jeweiligen Situation passt.
    Das erste Jahresbild haben wir ein paar Tage nach der Geburt unseres Sohnes mit dem Prototypen der FUJIFILM X-T2 gemacht. Die Idee war damals zu zeigen, wie viel Platz wir in unserem ehemaligen Canon-Koffer seit der Umstellung auf FUJIFILM Equipment gewonnen haben. Hier war nun neben der Ausrüstung sogar noch Platz für Windeln und Spielzeuge. Aus einem Bild sind inzwischen vier geworden. Unser Kamerasystem, eine kleine Kamera aus dem Urlaub und etwas Spielzeug sind dabei immer im Bild. An unserer Foto-Ausrüstung wird sich dabei immer etwas ändern und das Spielzeug sucht der junge Mann sich selbst dazu. Immer gleich bleibt aber die kleine Kamera, die nicht mit den Kinderhänden wächst.

  • Als Licht haben wir Tageslicht gewählt, indem wir den Hintergrund direkt vor unserem Fenster aufgebaut haben. Wichtig dabei: Sucht euch nicht die Zeit aus, zu der die Sonne durch die Fenster scheint, sondern den Moment, in dem eine Wolke das direkte Sonnenlicht abhält oder die Sonne bereits etwas weiter gezogen ist. Der schwarze Hintergrund macht es einfach jedes Jahr einen gleichen Ort zu schaffen, den wir immer und überall nachbauen können, egal wo das Leben uns in den nächsten Jahren hintreibt. Sicher hat nicht jeder ein Hintergrundsystem parat, aber mit ein paar Handgriffen lässt sich mithilfe von Klammern und Tüchern oder Bettlaken ein provisorischer Hintergrund bauen.

    Wir haben uns bei jedem Jahresbild überlegt, was der Erstgeborene auf dem Foto machen kann. Beim ersten Foto war es noch simpel. Wir haben einfach gewartet bis er satt und zufrieden eingeschlafen ist und haben ihn statt in sein Bett in den Koffer gelegt. Beim Zweiten haben wir ausgenutzt, dass er in dem Alter immer mächtig stolz war, wenn er auf Dinge klettern durfte. Zur Zeit des dritten Fotos war er ein kleiner Foto-Poser und wir haben ihn einfach machen lassen. Beim letzten Foto haben wir uns zu Nutze gemacht, dass er als stolzer großer Bruder – zumindest minutenweise – alles für seine Schwester getan hat. Hierbei handelt es sich natürlich ausnahmsweise um eine Fotomontage.

    Was wir damit sagen wollen: Sicher ist es wichtig, zu überlegen, was die Kinder machen können. Gerade bei kleineren Kindern muss es aber zu ihnen und ihren aktuellen Interessen passen. Anreize geben und hoffen, dass genau die gewünschte Situation eintritt ist gut, aber eine feste Pose zu erwarten führt oft zu Enttäuschungen.


  • FUJIFILM X-T2 | F2.8 | 1/500 Sek. | ISO 200 | 29mm

  • FUJIFILM X-H1 | F2.8 | 1/100 Sek. | ISO 500 | 33mm

  • FUJIFILM X-T2 | F4 | 1/100 Sek. | ISO 1250 | 27mm

  • FUJIFILM X-H1 | F1.4 | 1/100 Sek. | ISO 640 | 23mm
  • Das Weihnachtsshooting

    Bislang haben wir es in jedem Jahr noch gerade so geschafft, ein Foto für unsere Weihnachtspostkarte aufzunehmen. Als Beispiel haben wir euch das Foto des vergangenen Jahres rausgesucht. Unsere Vorweihnachtszeit mit den beiden Kindern hatte letztes Jahr wenig mit Besinnlichkeit und Ruhe zu tun. Also haben wir diese Erfahrung überspitzt dargestellt und unsere Kinder mit einer Lichterkette gefesselt. Für die weihnachtliche Stimmung durften wir eine rotgestrichene Wand im Kinderzimmer unserer Nachbarin nutzen. Auch die Entscheidung, sie genau in die Ecke zu setzen, war bewusst: Eine Raumecke verengt und beengt im Auge des Betrachters.
    Um die Situation noch etwas härter wirken zu lassen, haben wir uns für einen gerichteten Scheinwerfer entschieden, der direktes Licht auf die beiden geworfen hat. Dafür haben wir unsere LED Lampe benutzt. Eine gute Schreibtischlampe oder Nachttischlampe funktioniert aber auch. Wichtig: Das Licht darf nicht zu hell sein, sonst sind die Lichter der Lichterkette nicht mehr zu erkennen. Wir haben die Kamera im Vorfeld auf ein Stativ gestellt, da wir durch die recht dunkle Situation nicht wussten, mit welcher Belichtungszeit wir arbeiten können.
    Letztendlich hätten wir für unsere Belichtung kein Stativ gebraucht, aber ein zweiter und in diesem Fall viel wichtigerer Vorteil des Stativs: Wir konnten in Ruhe den Bildausschnitt, das Licht und die Motividee ausprobieren, während die Kleine neben uns gespielt hat. Anschließend konnten wir dann die Kinder in das fertige Setting setzen. Da wir nicht genau wussten, mit welcher Brennweite wir fotografieren würden, gleichzeitig aber vermutlich schnell einige Bilder hintereinander machen müssten, haben wir uns für die FUJIFILM X-H1 entschieden. Diese verfügt über einen integrierten Bildstabilisator, was uns in einer dunklen Situation hätte helfen können. Entschieden haben wir uns dann doch für eine unserer Lieblingsbrennweiten: Das FUJINON XF23mmF1.4 R.

  • Schon bei der Lichtprobe wurde schnell klar, dass wir etwas improvisieren müssen. Unsere Kleine fand die Lichter natürlich super spannend und nahm sie immer wieder in den Mund. Auch lachte sie immer wieder, was wir uns ausnahmsweise mal nicht wünschten. Also holten wir ihren Schnuller und klebten Klebeband darüber und taten damit so, als wäre ihr Mund zugeklebt. Sie war so irritiert, dass sie für eine kurze Zeit tatsächlich stillgehalten hat. Unserem Sohn konnten wir zu dem Zeitpunkt schon ganz gut erklären, was wir für ein Foto machen wollten und zum Glück fand er die Idee lustig und hat gerne mitgemacht. Das eigentliche Fotografieren war in weniger als einer Minute vorbei, da die Kleine dann aus ihrer Verwunderung erwacht und aus unserem Bild gekrabbelt ist. Aber dadurch, dass wir das Licht vorher eingestellt und alles vorbereitet hatten, brauchten wir auch nicht länger. Das Bild war im Kasten.


  • FUJIFILM X-H1 | F1.4 | 1/220 Sek. | ISO 200 | 23mm
  • Das Shooting Zwischendurch

    Als wir den Auftrag erhielten einen zweiten Teil zum Thema Kinderfotografie zu schreiben, brachte Stefan unseren Sohn ins Bett und entdeckte dabei einen Ort, den wir vorher so nie wahrgenommen hatten. Wir hatten zwei Wände in seinem Kinderzimmer farbig angemalt und eine Wand bekam durch das einfallende Abendlicht wunderbare Reflexionen. In solchen Situationen machen wir immer ein schnelles Foto, um uns den Ort, die Uhrzeit und das Licht merken zu können oder dem anderen das Bild zu zeigen. Wir hatten also einen schönen Ort, aber was nun? Wir überlegten, was wir an diesem Ort für Fotos von den beiden machen könnten. Die Kinder aufs Bett setzen? Das Bett vielleicht sogar kurz zur Seite räumen? Schließlich beschlossen wir die beiden in ihren Schlafsäcken zu fotografieren. Wir hatten kurz zuvor festgestellt, dass beide zurzeit den gleichen getragen haben und fanden das irgendwie ganz süß. Außerdem passte es toll zur Abendstimmung.

    Als Kamera entschieden wir uns für die FUJIFILM X100V mit einer Festbrennweite von 23mm (äquivalent zu 35mm bei KB). Diese steht bei uns immer einsatzbereit und beide Kinder kennen es bereits, dass wir sie mit dieser Kamera gerne fotografieren. Die Verschlusszeit hatten wir etwas schneller eingestellt als sonst, da wir mit ein bisschen Bewegung gerechnet haben: 1/125 Sek. Die Blende haben wir dieses Mal nicht ganz geöffnet, da wir sicher sein wollten, dass beide Kinder scharf abgebildet sind. Extrem viel Tiefenschärfe nach hinten braucht es aber auch nicht, da wir versucht haben die beiden auf einer Schärfenebene abzubilden. Also wählten wir eine Blende von F3.6.
    Um die Kinder bei Laune zu halten und begeistern zu können, entschieden wir uns für einen einfachen Trick: Seifenblasen. Die gehen immer bei Kindern und sehen glitzernd im Abendlicht sogar noch schöner aus – dachten wir. Um das vorwegzunehmen: Es kam alles anders, als gedacht. Aber genau das passiert bei der Kinderfotografie eben auch sehr oft und das möchten wir euch auch nicht vorenthalten.

    Zum geplanten Fotozeitpunkt schob sich zunächst eine Wolke vor die Sonne, was den schönen Sonnenreflex ausschaltete. Zum Glück war das jedoch nur von kurzer Dauer. Dann streikte die Seifenblasenpistole. Wir dachten, wir wären gut vorbereitet: Eine noch neue Seifenblasendose kam zum Einsatz. Doch wir bekamen beide einfach keine vernünftigen Seifenblasen aus diesem Seifenblasending. Die Stimmung kippte – die Kinder wurden müde. Der schöne Lichtpunkt war auch längst weg. Etwas missmutig packten wir die Seifenblasen beiseite und planten im Kopf gleich schon ein neues Shooting für den nächsten Abend – nur besser vorbereitet. Um den Abend nicht negativ zu beenden, spielten wir noch ein bisschen mit den Kindern. Dabei setzte Insa die Kleine auf den Rücken von unserem Großen, der auf dem Bett lag. Er warf sie immer wieder spielerisch ab. Beiden machte das gemeinsame Spiel so viel Spaß, dass ganz nebenbei eines unserer Lieblingsbilder entstanden ist. Schöner hätte es nicht sein können, auch wenn in unserem Bild außer den Schlafsäcken eigentlich nichts von dem zu sehen ist, was wir vorher geplant hatten. Weder Seifenblasen, noch der schöne Lichtstrahl, dafür aber eben die ehrliche Freude der beiden Kinder. Nur bei einem Punkt sind wir uns als Fotografen uneinig: Insa mag die farbige Variante lieber, Stefan würde das Bild am liebsten in schwarz-weiß als Poster drucken.


  • FUJIFILM X100V | F2 | 1/100 Sek. | ISO 200 | 23mm


    FUJIFILM X100V | F2.8 | 1/100 Sek. | ISO 800 | 23mm


    FUJIFILM X100V | F2 | 1/100 Sek. | ISO 500 | 23mm


  • FUJIFILM X100V | F3.6 | 1/125 Sek. | ISO 1000 | 23mm

  • FUJIFILM X100V | F3.6 | 1/125 Sek. | ISO 1000 | 23mm