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03.06.2019 Brian Lloyd Duckett

Streetfotografie: Stellen Sie sich Ihrer Angst – Teil 1

Brian Lloyd Duckett

Brian Lloyd Duckett (‘Duck’ to his friends) is a documentary, travel and street photographer and he runs the London-based StreetSnappers and TravelSnappers workshop businesses. He is also a partner in a commercial photography business, shooting for corporate annual reports, advertising campaigns and other marketing collateral. But his real passion has always been for street photography.

Brian’s interest in photography started at school where he had access to a darkroom, the encouragement of a great art teacher (thank you, Mr Freear) and a firm belief that ‘the guy with the camera’ would be more attractive to girls. His first published newspaper picture, at the age of 15, was of a dead dog in a litter bin.

Brian runs street and travel photography workshops around the UK and in European cities such as Lisbon, Venice and Prague – with other cities to follow. He runs workshops for small groups and also one-to-one workshops and mentoring programmes. He teaches as a Visiting Lecturer on photography degree courses and is a lecturer and judge at camera clubs across the UK.

His first book, ‘Mastering Street Photography’, has become a best seller and the follow-up – ’52 Assignments: Street Photography’ – is hot on its heels (both published by Ammonite Press). He also writes for blogs and for travel and photography magazines.

Outside of photography, Brian’s passions for tennis and sailing almost compensate for his love of all things Italian – not least the food and the wine.

Was ist das Problem?

Eine der häufigsten Fragen, die ich von Workshop-Teilnehmern bekomme, lautet: “Wie kann ich meine Angst überwinden, Fremde auf der Straße zu fotografieren?”.
Egal, ob Sie sich gerade erst mit Streetfotografie beschäftigen oder bereits ein erfahrener Streetfotograf sind – ein Thema ist Ihnen sicherlich schon oft begegnet: „Stellen Sie sich Ihrer Angst“. Zu dieser Thematik werden unzählige Workshops und Bücher angeboten.
Das Fotografieren von anderen Menschen wird oft als unangenehm empfunden. Jeder geht damit anders um: Die einen finden sich mit diesem Gefühl ab, einige geben auf und fotografieren etwas anderes und manch einer lernt mit solchen Schwierigkeiten umzugehen. Sogar die erfahrensten Streetfotografen kennen dieses Gefühl.

Streetfotografie

Aus psychologischer Sicht ist Angst ein Abwehrmechanismus – ein Warnsystem, das uns vor Gefahren schützen soll. Ein kleines bisschen Angst zu haben kann nicht schaden: Angst hält uns wachsam und steigert das Adrenalin in unserem Körper, das uns antreibt, ein Foto aufzunehmen. Angst kann uns allerdings auch schwächen und verhindern, dass wir uns überhaupt trauen zu fotografieren. Aus diesem Grund geben viele die Streetfotografie auf.
Ich persönlich bin aus fotojournalistischer Perspektive an das Thema Streetfotografie herangegangen. Dabei bin ich der festen Überzeugung, dass ich das Recht habe, das zu tun, was ich gerade mache. Ich hatte hierbei nie ernsthafte Probleme: Wenn es mal zu einem Problem kommt, lächle ich einfach und gehe weg. Mir ist jedoch bewusst, dass das leichter gesagt, als getan ist.
Beschäftigen wir uns nun mit den Fragen, wie und warum Schwierigkeiten überhaupt auftreten. Es liegt ganz offensichtlich im Trend, Fremde auf der Straße aus nächster Nähe zu fotografieren. Das kann zum Teil auf die zunehmende Beliebtheit von Streetfotografen, wie Bruce Gilden und Dougie Wallace, zurückgeführt werden. Viele Leute denken bei Streetfotografie zuerst an diesen eher aggressiven Ansatz und vergessen möglicherweise, dass es auch andere Wege gibt.

Ich versuche den Teilnehmern meiner Workshops beizubringen, dass Streetfotografie viele Facetten hat. Für ein gelungenes Foto ist es nicht notwendig, dass Menschen aus der Nähe abgebildet werden. Schauen Sie sich den „Altmeister“ der Streetfotografie, Eugene Atget, an. Er hat wunderschöne Fotos in den Straßen von Paris aufgenommen. Diese Aufnahmen zeigen nur wenige Menschen aus nächster Nähe.
Müssen Sie sich wirklich auf die Gesichter der Menschen konzentrieren? Warum machen Sie sich das Leben schwer? Warum etwas tun, was Sie nicht wollen? Versuchen Sie, die Streetfotografie anders zu betrachten. Denken Sie nicht nur daran, Menschen auf der Straße zu dokumentieren, sondern fangen Sie atmosphärische Stadtlandschaften, auffällig abstrakte oder geometrische Muster ein. Stellen Sie die Menschen einfach mal an die zweite Stell, zugunsten einer breiteren dokumentarischen Aussage.
Mein Hauptanliegen ist, dass Sie Ihre Nahaufnahmen von Fremden einmal kritisch hinterfragen. Wenn es sich um ein bestimmtes Projekt handelt oder Sie ein bestimmtes Ziel verfolgen, ist es in Ordnung. Andernfalls werden Sie möglicherweise feststellen, dass eine zufällige Ansammlung von zufälligen Personen auf zufälligen Straßen auf Dauer nicht sehr ansprechend ist.
Es ist aber nicht mein Ziel, Sie von etwas abzuhalten, das Sie gerne fotografieren möchten! Zweifellos gibt es einige großartige Streetaufnahmen, bei denen die Menschen im Mittelpunkt stehen. Daher folgen nun einige Tipps, wie Sie Ihre Ängste überwinden und ein selbstbewusster Streetfotograf werden.

Den Ängsten stellen

Bevor Sie anfangen können, Ihre Ängste zu überwinden, müssen Sie diese genau identifizieren. Denn erst wenn Sie wissen, worauf Ihre Angst beruht, können Sie beginnen diese zu bewältigen. Die folgende Auflistung zeigt die häufigsten Arten von Ängsten in der Streetfotografie:
• Angst, Menschen wütend zu machen
• Angst vor körperlicher Gewalt
• Angst, dass Ihre Kameraausrüstung gestohlen wird
• Angst vor der Polizei oder vor Sicherheitskräften
• Angst, Bilder löschen zu müssen
• Angst, dass Ihre Motive missverstanden werden (zum Beispiel beim Fotografieren von Kindern)
• Angst, dass Menschen Sie seltsam finden könnten
• Angst, auf das Fotografieren angesprochen zu werden

All das sind berechtigte Befürchtungen. Aber was ist das Schlimmste, das passieren kann, wenn Sie ein Foto von einer fremden Person aufnehmen? Letztlich ist es nur die Androhung von körperlicher Gewalt, die zu ernsthaften Schwierigkeiten führen kann. Alle anderen Befürchtungen sind zwar unangenehm, haben aber keine schwerwiegenden Konsequenzen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass es die meisten Menschen nicht interessiert, wenn sie fotografiert werden. Heutzutage hat fast jeder eine Kamera dabei – sei es auch nur ein Smartphone. Wir sind es gewohnt, rund um die Uhr von Überwachungskameras gefilmt zu werden. Wir haben uns demnach daran gewöhnt, ständig von Kameras umgeben zu sein. Zudem sind die meisten Menschen oft so in sich selbst und ihre eigene kleine Welt versunken, dass sie nicht mitbekommen, was um sie herum passiert.

In Teil 2 und 3 dieses Beitrags gebe ich Ihnen einige praktische Ratschläge und meine wichtigsten Tipps.

** Bitte beachten Sie, dass die Ansichten und Meinungen in diesem Artikel die des Autors sind.**

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